Auf dem Grund des Kanals: Das schmutzige Geheimnis von Paris

Veröffentlicht auf 07/06/2020
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Paris ist die Stadt der Liebe, der Kultur und des guten Weins… Da sind wir uns alle einig, aber Paris kann auch ein ziemlicher Moloch sein. Glauben Sie nicht? Dann gucken Sie sich mal diese Foto vom Canal Saint-Martin an. Der Kanal wurde 2001 in einer riesigen Aktion trockengelegt und gereinigt. Und an seinem Grund offenbarte sich ein ziemlich fragwürdiges Kuriositäten-Kabinett, das einige Rätsel über diese romantische Stadt aufgibt…

Canal Saint-Martin

Am 4. Januar berichtete der Guardian von dem Großprojekt, das sich über drei Monate hinziehen sollte. Aber warten Sie ab, was die Arbeiter auf dem Grund des Kanals finden sollten. Man mag es ulkig finden, und das Gefühl haben, dass die Pariser in den letzten Jahren ziemlich schräge Partys am Ufer gefeiert haben. Aber man kann auch ziemlich schockiert sein. Denn die Funde vom Saint-Martin-Kanal geben einen tiefen Einblick in unseren Umgang mit Mutter Erde. Ach übrigens, wir reden hier von Fundtsücken aus gerade mal 15 Jahren…

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Canal Saint-Martin

Alltagsszene

Das Flussnetz besteht bereits seit mehr als vier Jahrhunderten, hat bedeutend zur Entwicklung der Handelsbeziehungen von Paris beigetragen und die Landschaft im Osten der französischen Hauptstadt geprägt. Für die Passanten tragen die Spaziergänge an ihren Ufern zur besonderen Atmophäre dieser Stadt bei, auch weil sich in der Umgebung viele historische Bauwerke befinden. Paläste, Gewölbe, aber auch alte Fabriken.

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Alltagsszene

Sanierungsplan

Der Kanal wurde natürlich nicht aus Spaß and der Freude trockengelegt, sondern weil er dringend saniert werden musste. Ein Wahnsinnprojekt: Denn ersteinmal musste man 90.000 Kubikmeter Wasser loswerden. Aus diesem Grund wurde ein gewaltiger Damm errichtet. 9,5 Millionen Euro kostete das Projekt. In vier Monaten nach der Trockenlegung sollten Arbeiter Zeit haben, die Mauern und Schleusen zu warten und zu reparieren.

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Sanierungsplan

Die Evakuierung der Fische

Im Kanal befand sich nicht nur Wasser, sondern auch jede Menge Fische. Für die Stadt Paris war klar, dass sie die Fischwelt unbedingt erhalten wollte. Immerhin gehören sie zur Meeresfauna von Paris. Weil es keinen sicheren mechanischen Weg gab, die Fische aus dem Wasser zu filtern, mussten die Kanalarbeiter selbst Hand anlegen und die Fische mit weitläufigen Netzen selbst herausholen, ohne sie zu verletzen.

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Die Evakuierung der Fische

4,5 Tonnen zappelnde Fische

Aber was macht man mit 4,5 Tonnen zappelnden Fischen auf dem Trockenen? Es war klar, dass sie in eine andere naturnahe Umgebung transportiert werdeb mussten. Zuvor jedoch wurden die Fische gezählt, nach Art sortiert und auf ihren Gesundheitszustand geprüft…

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4,5 Tonnen zappelnde Fische

Die große Zählung

Zielich verrückt, aber die Kanal-Arbeiter standen plötzlich vor der Aufgabe eine Volkszählung an einem ganzen Ökosystem durchzuführen. Außerdem wurden die Fische indentifiziert und gewogen. Besonders toll ist das nicht für die armen Tieren, aber die einzige Alternative, um sie zu retten. Für Schlagzeilen sorgte dabei ein Karpfen, der unglaubliche zwanzig Kilogramm wog! Im Kanal von Paris! Aber das sollte nicht der einzige seltsame Fund bleiben…

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Die große Zählung

Der Kanal gibt seine Geheimnisse frei

Als die Meerestiere endlich in Sicherheit waren, war der Weg frei für die Trockenlegung. Je tiefer der Wasserspiegel sank, umso mehr jedoch gab der Kanal über die Geschichten preis, die an seinem Ufer stattgefunden hatten in den letzten 15 Jahren. Da schwamm zum Beispiel plötzlich ein alter Koffer. Wer hatten den verloren? Und Was war darin verborgen? Alte Unterwäsche? Diebesgut? Oder etwas Essbares? Immerhin schienen die Vögel im Kanal genauso aufgeregt über den Fund wie die Arbeiter.

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Der Kanal gibt seine Geheimnisse frei

Der Klassiker

Nicht ganz so spannend, aber eben ein Klassiker in Paris, war dieses Hütchen zur Verkehrsumlenkung. Überhaupt wurden jede Menge Baustellen-Absperrungen im Kanal gefunden. Vielleicht wurden sie vom Wind mitgerissen, oder die Pariser Jugend hatte sie im nächtlichen Rausch in den Kanal geschmissen…

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Der Klassiker

Stumme Zeugen

Ein weiteres Relikt aus dem Stadtleben von Paris, war dieser Einkaufswagen. Von Algen überwuchert schien er sich schon einige Zeit am Grund des Kanals zu befinden. Wieder fragten sich die Arbeiter: Was ist seine Geschichte? War er mit Lebensmitteln gefüllt, als er im Kanal landete? Hatte er die Habseligkeiten eines Obdachlosen beherbergt?

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Stumme Zeugen

Job-Konflikt?

Und dann dieser Bürostuhl… Hat ihn ein entzürnter Chef aus dem Büro direkt in den Kanal geworfen. Oder gab es vielleicht eine After-Work-Party an seinem Ufer? Wer weiß, vielleicht saß auch ein Angler darin, oder ein Maler, der das sonst so idyllische Treiben rund um den Kanal festhalten wollte.

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Job-Konflikt?

Diebesgut

Mit Abstand am öftesten trieben jedoch Fahrräder am Grund des Kanals. Und zwar diese City-Bikes, welche die Stadt zur Verfügung stellt. Die Idee ist es eigentlich, sie nach Gebrauch am nächsten Terminal wieder anzuschließen. Vielleicht war hier jemand zu faul oder zu betrunken? Aber wieso muss man ein funktionstüchtiges Fahrrad in den Kanal werfen? Menschen sind seltsam.

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Diebesgut

Fahrradfriedhof

Je nach Perspektive erschreckend oder witzig ist es, dass die meisten Fahrradleichen auf der Höhe des 5. und 6. Arrondissement von Paris gefunden wurde. Hier scheinen die Leute also besonders gern Rad zu fahren, oder besonders wenig Wert auf Eigentum der Stadt und die Umwelt zu legen. Was glauben Sie, wieviele Fahrräder im Kanal gefunden wurden? Die Wette läuft!

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Fahrradfriedhof

Und noch mehr…

Hauptsächlich waren es tatsächlich diese Selbstbedienungsfahrräder der Stadt, die im Kanal gefunden wurden. Um genau zu sein, 98 Stück waren es. Man kann ja viel über die Stadtverwaltung lästern, aber ganz ehrlich… Die Dinger kosten Geld, Leute! Steuern! Und der Umwelt ist es nicht gerade zuträglich, wenn sie in einem empfindlichen Ökosystem wie einem städtischen Kanal landen.

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Und noch mehr…

Picknick oder Faulheit

Die Kanalarbeiter begannen bald zu scherzen, dass sich ein ganzes Möbelhaus im Kanal befand. (Neben dem Fahrradladen.) Stühle, Tische, ja ganze Couchlandschaften wurden hier gefunden. Verwechselten die Pariser ihren Kanal mit einem Schrottplatz? Oder hatten sich Hunderte verliebter Pärchen nach dem Picknick gestritten, und alles im Kanal versenkt? Fragen über Fragen.

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Picknick oder Faulheit

Alles da

Wer genau hinsieht, entdeckt auf diesem Foto einen Lattenrost, einen Stuhl, eine Einkaugfstasche, einen Blumentopf, Umzugskartons… und ach ja, die obligatorischen Fahrradleichen. Liebe Pariser, es gibt Müllkippen und vielleicht auch bedürftige Nachbarn…

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Alles da

Misslungener Umzug?

Apropos Umzugskartons. Hier schwimmt ein Handkarren, mit dem vermutlich eben diese Mal durch die Gegend transportiert wurden. Eigentlich ein praktisches Gerät. Keinen Grund, es zu versenken. Aber warten Sie ab, was die Arbeiter außerdem am Grund des Kanals gesichtet und geborgen haben…

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Misslungener Umzug?

Schrottplatz

Nicht nur die zugegben etwas schwerfälligen Leihräder fanden sich im Kanal, sondern auch Roller und kleine Motorräder! Hat da jemand etwa zu stark aufs Gaspedal getreten? Wir hoffen, wenigstens die Fahrer haben es heil aus dem Kanal geschafft und sind nicht bis ins offene Meer getrieben…

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Schrottplatz

Seltsames Phänomen

Gut, vielleicht langweilen wir sie mit diesem Bild. Aber wir sind wirklich entsetzt wie viele Fahrräder in der Unterwasserwelt von Paris zu finden sind. Auf Anfrage des Guardians wunderte sich auch ein Anwohner: “Ich kann nicht glauben, wie viele Mietfahrräder da drin sind. Ich schätze, sie wurden gestohlen und danach weggeworfen. Es ist seltsam.”

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Seltsames Phänomen

Archäologisches Artefakt?

Einige Artfakte ließen sich aber auch gar nicht so leicht einordnen. Was haben wir hier? Einen Betonblock, einen Karton, oder gar ein archäolgisches Relikt, das es irgendwie aus dem alten Ägypten nach Frankreich geschafft hat?

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Archäologisches Artefakt?

Dosenbier

Überraschenderweise fanden sich verhältnismäßige wenige Flaschen und Getränkedosen im Kanal. Wir vermuten, dass die Verschmutzungsquelle Nummer Eins leider schon ins Meer weitergetrieben wurde…

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Dosenbier

Demografisches Abbild

Die Trockenlegung des Kanals gibt wirklich Aufschluss über die Anwohner des Viertels. Es ist ein Party-Stadtteil. Aber bei allem Verständnis, Leute! Wir sind nun wirklich aufgeklärt, was Umweltverschmutzung und verseuchte Meere angeht. Schon mal darüber nachgedacht, was all der Müll mit den Tieren in den Flüssen und im Meer macht? Teile können verschluckt werden, Fische und Vögel können sich verheddern und vergiften…

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Demografisches Abbild

Horror-Szenario

Vergleichen Sie das erste Bild des idyllischen Kanals mit diesem Foto nach der Trockenlegung! Sieht aus wie nach dem Ausbruch von Pompeji, oder? Wie nach einer Atom-Katastrophe… Aber nein, das ist alles menschengemachter Schmutz. Welche Welt wollen wir unseren Kindern hinterlassen…

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Horror-Szenario

Lektion für Alle

Die Trockenlegung des Kanals war ein Spektakel für Arbeiter und Anwohner. Und ja, diese Fotos sind unterhaltsam und auf gewisse Weise poetisch. Aber sie sind auch ein Denkanstoß. Dieser Pariser Kanal ist wahrscheinlich nicht viel schlimmer dran, als andere Flüsse oder Meere, in der Nähe von Städten. Sieht so die Welt unter Wasser aus? Wenn wir nicht endlich beginnen, verantwortungsvoller mit unserer Umwelt umzugehen, wird uns nicht nur das Klima bald einen Strich durch die Rechnung machen. Und wieviel Aufwand kostet es schon, seinen Müll ordentlich zu entsorgen und im besten Fall zu recyceln?

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Lektion für Alle

Denkt an die Meerestiere

Umweltexperten wissen, dass die Verschmutzung unserer Gewässer jedes Jahr eine Million Seevögel umbringt, mehr als 100 000 Meeresbewohner. Davon abgesehen kostet es unheimlich viel Geld, Wasser und Gewässer zu reinigen. Wasser ist Leben. Die Zahlen sind schockierend. 1,5 Millionen Tiere werden jährlich durch Plastikabfälle getötet. Auf der anderen Seite werden jedes Jahr immer noch 89 Milliarden Kunststoff-Wasserflaschen verkauft. Immerhin haben viele Länder jetzt begonnen, die HErstellung und Nutzung von Plastik-Strohhalmen zu vermeiden…

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Denkt an die Meerestiere

Alles hängt zusammen…

Geht Sie alles nichts an? Dann überlegen Sie doch mal. Wenn die Tierwelt verendet und leidet, trifft es irgendwann auch uns Menschen. Kunststoff braucht lange, um sich im Wasser zu zersetzen. Er wird zu Mikro-Partikeln geschliffen, die auf ewig im Meer schwimmen. Nicht nur landen sie dabei im Magen von Fischen und Vögeln, die daran sterben. Sondern sie können auch auf unseren Tellern landen. Oder in unseren Gläsern. Schließlich stammt auch ein Teil unseres Trinkwasser aus dem Meer oder aus Flüssen. Und die Partikel sind zu winzig, um gefiltert zz werden. Was dem Magen eines Meerestieres schadet, dürfte auch uns nicht ganz wohl bekommen…

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Alles hängt zusammen…

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